Radtour Frankreich 2003 Andreas Weißbrodt Erik Weitnauer Aachen Barcelona Spanien Belgien Nantes

Radtour durch Frankreich 2003

Position: home / stories



Pfeil auf den aufgerufenen Menüpunkt Der Fahrradklau | Pannenstatistik | Anekdoten


Der Fahrradklau von Nantes / Beschaffung von neuen Rädern:


Es geschah am 19. Tag unserer Tour, dem 01.07.2003... Nachdem wir in den beiden vorhergehenden Wochen über 1000 Kilometer absolviert hatten und so langsam richtig in Tritt kamen wurden unsere beiden Fahrräder geklaut.
Am Morgen regnete es teilweise sehr stark. Wir packten unsere Sachen, flohen aber wegen eines erneuten Schauers kurz vor der geplanten Abfahrt nochmal ins Zelt. Zu diesem Zeitpunkt standen die Fahrräder noch aneinandergekettet an einem Baum direkt neben dem Zelt. Als der Regen aufgehört hatte ging ich als erster raus und räumte meine Taschen nach draußen. Nach 2 Minuten bemerkte ich, dass die Drahtesel verschwunden waren. Ziemlich schüchtern sagte ich zu Erik: "Die Fahrräder sind weg." Er war noch im Zelt und realisierte es nicht richtig, dann guckte er irgendwann ungläubig aus dem Zelt. Nach der Feststellung folgten aufregende Minuten, geprägt von Planlosigkeit, Verzweiflung und vor allem Hektik. Wir rannten zuerst mal von Zelt zu Zelt und fragten die (teilweise zweifelhaft aussehenden) Dauercamper ob sie die Räder gesehen hätten. Nach kurzer Zeit fiel uns ein, dass all unsere Sachen unbeaufsichtigt am Zelt lagen. Das schockte dann nochmals sehr, weil wir (zumindest ich) direkt glaubten, dass wir jetzt komplett ausgeraubt worden sind. Also zurück zum Zelt und die Wertsachen in die Hosen stopfen. Danach prüften wir die Umzäunung des Campingplatzes (crazy!) und fanden ein paar Schwachstellen. Von den Fahrrädern jedoch keine Spur. So langsam begannen wir wieder klare Gedanken zu fassen. Uns wurde klar, dass wir die Diebe wohl nicht selbst stellen konnten, also gingen wir zur Rezeption. Dort hatte niemand etwas gesehen, uns fiel nur auf, dass da ein Lieferwagen nach dem anderen ohne Kontrolle (Ausweis o.ä.) durch die Pforte gelotst wurde. Nun ja, die nette Mitarbeiterin an der Rezeption telefonierte mit der Polizei, wo wir später auch hingingen.
Bei der Polizei war es besonders schön :). Nachdem ich einem Mitarbeiter mit meinem gebrochenen Französisch klarmachen konnte, dass wir die beiden jungen Männer vom Zeltplatz sind, mussten wir lange warten. Auf der Wache gab es nur genau eine Mitarbeiterin die Englisch sprechen konnte! Später stellte sich heraus, dass ich besser Französisch als sie Englisch konnte. Die Zeit nutzte ich um meine Eltern anzurufen und sie zu informieren was passiert war. Mein Vater machte mir verschiedene Vorschläge, wie es weitergehen könnte (das war sehr hilfreich, weil wir ja irgendwie noch geschockt waren). Nachdem die freundliche Polizistin endlich erschienen war konnten wir endlich mit der Anzeige beginnen. Die Frau war leider erst seit ein paar Tagen bei der Polizei und kannte sich noch nicht mit sowas aus, sie konnte halt nur ein paar Worte englisch :). Irgendwie wurschtelten wir uns durch die Beschreibung der Räder durch, bekamen Bescheinigungen für unsere Versicherungen und konnten dann gehen.
In den darauffolgenden Tagen wollten wir uns neue Fahrräder organisieren. Dazu setzten wir uns in die Fußgängerzone mit einem Schild auf dem stand: "Aidez nous a trouver des velos!". :D ...mein Französisch... Es war schön, dass uns viele Leute helfen wollten, man empfahl uns verschiedene Radläden, Second-Hand-Läden, Ramschläden,... und wünschte uns viel Glück bei der Suche. Und tatsächlich gab es Leute, die uns ihre alten Fahrräder schenken wollten! Besonders zu erwähnen eine Familie, die uns gleich 2 Fahrräder schenkte (dazu gabs auch noch ein kühles Bier, wärend wir ihnen von unserer Reise erzählten). Außerdem fuhren wir zu einem Mann, der privat ein paar Räder repariert hatte und sie uns verkaufen wollte. Allerdings war nur eins für unsere Zwecke brauchbar. Erik kaufte sich dieses Rad für 50 Euro. Ich entschloss mich mir ein Rad aus den insgesamt 3 schrottigen geschenkten Räder zu bauen. Heraus kam ein Rad mit zu kleinem Rahmen und einem patentreifen Gepäckträger am Vorderrad. Immerhin hat mich dieses Rad noch knapp 2000 km getragen und ist jetzt (natürlich) mein Lieblingsad.
Dieses Erlebnis war für mich das prägenste auf der ganzen Reise. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele hilfsbereite Menschen gibt. Besonders hervorheben möchte ich noch Violaine und Reno, ein junges Paar, dass uns von Anfang an unterstützte und mit denen wir täglich Kontakt hatten. Wir konnten ihr Werkzeug benutzen und sie halfen uns bei der Organisation der Räder und all das, obwohl sie selber tierischen Stress hatten. Sie mussten gerade ihren Haushalt auflösen, weil sie erst einen Monat nach Korsika flogen und danach direkt für ein Jahr nach Südamerika gehen wollten. Wir hatten wirklich Glück, dass wir sie getroffen haben.
Nach sieben ereignisreichen Tagen hatten wir unser Problem gelöst und konnten weiterfahren, zwar nicht mehr so sportlich wie vorher aber dafür auch mit viel mehr Motivation. Auf alle Fälle muss ich sagen, dass die Tour so wie sie war perfekt war, mit den guten Rädern wäre sie mit Sicherheit ganz anders verlaufen.


Fehler melden: e-Mail an den Webmaster